Fischerverein Wendlingen e.V.

 

 

„Petri Heil“ für die nächsten 50 Jahre

 50 Jahre Fischerverein Wendlingen – 30 Jahre Makrelenfest: Fischer appellieren an die Politik – „Neues Fischereigesetz nicht ohne uns“

Wenn der Fischerverein Wendlingen zum Makrelenfest einlädt, dann strömen die Besucher in Massen. So auch am Samstag und Sonntag, als über 2000 Gäste am Hüttensee verköstigt werden durften. Diesmal feierte man aber noch ein besonderes Fest: Der Fischerverein wurde 50 Jahre

 

 

   

Auf dem Foto von links Hubert Wnuck, Fischereisachverständiger beim Verband für Fischerei und Gewässerschutz, Peter Dehus, Fischereireferent im Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz, der Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann, Dr. Heiko Freiherr von Massenbach, Vereinsvorsitzender Günter Richter, Dekan Paul Magino, Bürgermeister Steffen Weigel und Peter Hauk, Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag. gki

   

WENDLINGEN. 50 Jahre Gründungsjubiläum. Eine wechselvolle Geschichte mit Höhen und Tiefen. Der Vorsitzende der Wendlinger Fischer wusste von einer ganze Reihe von Anlässen zu berichten. Günter Richter, seit fast 30 Jahren Vorsitzender, erinnerte an den Verlust einer Reihe von Baggerseen in den Neckarauen, die die Grundlage des Vereins waren. Sie waren der Grund für den späteren Gewässerkauf im bayerischen Aislingen. Aber auch der Erhalt des Hüttensees und des Schäferhauser Sees als Naherholungsgebiete seien Ziele gewesen, um die es sich zu kämpfen lohnte. Bis in die 1980er-Jahre waren die Fischer gefordert von den Folgen einer boomenden Wirtschaft, mit belasteten Gewässern, belasteter Luft und sterbenden Bäumen. Mit Begradigungen und Uferverbauungen griff der Mensch gravierend in den Naturhaushalt ein und veränderte ganze Landschaften, so auch den Neckar. Umwelt- und Naturschutz fanden erst später Gehör. Doch damit nicht genug der Tiefen, das erste Fischervereinshaus fiel dem Neubau der Bundesstraße 313 im Jahr 1981 zum Opfer, das zweite, mit fast 100 Prozent Eigenleistung errichtet, stand 2001 dem Ausbau der B 313 mit der Anschlussstelle Wendlingen Nord im Weg und musste weichen. Das dritte Vereinshaus steht mittlerweile seit zwölf Jahren. Was mit 30 Makrelen im Rahmen des Sommerferienprogramms im Jahre 1984 begann, ist zu einer Erfolgsgeschichte in den Folgejahren gediehen: Heute werden beim Makrelenfest in eineinhalb Tagen circa 1,3 Tonnen Fisch gebraten und frittiert. Die vielen Besucher konnten sich am Wochenende von den schmackhaften Makrelen und Forellen selbst überzeugen, aber auch Steaks und Rote verließen den Grill in rauen Mengen und landeten auf den Tellern der zufriedenen Gäste.
Im Festzelt direkt am Hüttensee konnte Günter Richter eine Reihe von Ehrengästen unter den Fischerkameraden begrüßen wie die Gründungs- und Ehrenmitglieder Hans Zeitler, Fritz Schopp und Karl Brauneisen sowie das Ehrenmitglied Dieter Knecht und Adolf Schnabel, als ehemaliges Vorstandsmitglied.Des Weiteren den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium Markus Grübel (CDU), Heinrich Greiner, Flussbaumeister beim Regierungspräsidium Stuttgart,

 Dr. Heiko Freiherr von Massenbach sowie die Vorstandskollegen der Besatzgemeinschaft am Neckar Manuel Schale vom Fischerei- und Hegeverein Wernau, Wilfried Weiner vom Angler- und Fischerverein Nürtingen, Hans-Hermann Schock vom Württembergischen Anglerverein Stuttgart und den Vorsitzenden der Kirchheimer Lauterfischer, Thimo Richter. Weitere Ehrengäste gratulierten dem Fischerverein in ihren Grußworten. Andreas Arndt, Bezirksvorsitzender Nordwürttemberg des Verbands für Fischerei und Gewässerschutz, überbrachte die Grüße auch im Namen des Präsidenten Wolfgang Reuther und dankte dem Verein für seinen Beitrag zur Erhaltung und Wiederherstellung der Gewässer, weswegen der Naturschutzgedanke in der Fischerei genauso präsent ist wie bei anderen Vereinen, die sich um den Umweltschutz bemühen. Bürgermeister Steffen Weigel lobte den Fischerverein als einen „der wichtigsten Partner in Sachen Umweltschutz und Erhalt von Lauter und Neckar“. Er nannte dabei Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung wie zuletzt bei der Herstellung der rauen Rampe in Bodelshofen und noch in diesem Herbst soll eine weitere Maßnahme auf Initiative des Fischervereins im Bereich der unteren Lauter Richtung Hechtkopf realisiert werden. Weigel hob dabei auch die finanzielle Unterstützung des Fischervereins hervor, neben den pflegerischen Tätigkeiten als Pächter von Schäferhauser und Hüttensee oder bei der jährlichen Lauterputzete. Weigel versprach, dass die Umsetzung der kleinen Wasserkraft nur dann an der Lauter in Frage komme, „wenn Fragen der Ökonomie und der Ökologie befriedigend zu beantworten sind“. Peter Hauk, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag und früherer Landwirtschaftsminister, zollte dem Fischerverein Respekt, indem er dessen Einsatz für saubere Gewässer und dessen Unterstützung bei Renaturierungsmaßnahmen lobte. „50 Jahre Fischerverein – eine Erfolgsgeschichte“, so Hauk. Dem konnte sich Karl Zimmermann, CDU-Landtagsabgeordneter, nur anschließen. Drastisch waren seine Worte zum geplanten neuen Fischereigesetz, es sei eine Ohrfeige für die Vereine. „So eine Bevormundung haben sie nicht verdient.“

 

Kormorane und Kleinkraftwerke sind die Sorgenkinder der Fischer
 

Bevor es zum gemütlichen Beisammensein ging mit fetziger Musik von Willy Wondra und den Telstars im Zelt – gestern unterhielten übrigens der Musikverein Unterboihingen und D’ Lauterbläser, umriss Günter Richter die Aufgaben, die von den Fischern unterstützt werden, wie die Europäische Wasserrahmenrichtlinie, die besagt, dass die Oberflächengewässer bis spätestens 2027 in einen guten ökologischen Zustand versetzt werden müssen. Dazu gehört als Maßnahme, die die Fischer unterstützen, der Rückbau des Wehrs bei Bodelshofen in ein naturnahes Gewässer. Im Stich gelassen fühlen sich die Fischer von der Politik beim Thema Kormoran. „Es ist höchste Zeit, eine Regulierung des Kormorans vorzunehmen, auch in den Naturschutzgebieten, wenn wir uns unsere Artenvielfalt erhalten wollen“, appellierte Günter Richter an die Politik. Ebenso Anlass zu vermehrter Sorge bereitet den Fischern die Renaissance von kleinen Wasserkraftanlagen im Zuge der Energiewende. Denn aus ihrer Sicht ist eine ökologische Verbesserung der Fließgewässer mit deren Ausbau nicht zu erreichen: Stauhaltungen veränderten die Fließgewässer mit allen ökologischen Nachteilen, obendrein sterben Tausende von Fischen in Turbinen und Rechenanlagen. Dabei erzeugen die 1700 Anlagen der kleinen Wasserkraft lediglich 0,5 Prozent des verbrauchten Stroms in Baden-Württemberg. Auch hier fordern die Fischer die sofortige Einstellung der Förderung über das EEG und des Neubaus weiterer Kleinanlagen. Mit auf den Weg der Landespolitiker gab Günter Richter den Wunsch, dass die Fischer in das entstehende Fischereigesetz für Baden-Württemberg eingebunden werden.