Fischerverein Wendlingen e.V.

 

Rückbau von Wehr in Bodelshofen

 

12.03.2013, Von Gaby Kiedaisch

Die Lauter wird mit der Renaturierungsmaßnahme ein weiteres Stück durchgängiger für Fische und Kleinstlebewesen

Die ökologische Durchgängigkeit für Fische und Kleinstlebewesen wieder herstellen, das ist das Ziel der Renaturierungsmaßnahme, die derzeit in und an der Lauter bei Bodelshofen durchgeführt wird. Sie ist eine Maßnahme im Zuge der europäischen Wasserrahmenrichtlinie.

WENDLINGEN-BODELSHOFEN. Wer in diesen Tagen entlang der Lauter bei Bodelshofen spazieren geht, der trifft unterhalb der Brücke auf ein verändertes Flussbett. Wo vorher ein Wehr die Durchgängigkeit versperrte und nur in eine Richtung zuließ, da rauscht jetzt ein Wildbach, wie man ihn aus den Alpen kennt. Noch ist die Renaturierungsmaßnahme nicht ganz abgeschlossen. Doch schon jetzt ist die Lauter an dieser Stelle nicht wiederzuerkennen.

Die Lauter ist ein Gewässer mit einer Vielzahl von Lebewesen: vor allem Bachforellen, Barben, Nasen, Schmerlen, Elritzen, Äschen und seltener der Aal sind hier zu Hause. Fotos: Riesbeck

Große Steinquader, von der Schwäbischen Alb auf Lastwagen herbeigekarrt, bilden jetzt eine sogenannte raue Rampe, eine Aufstiegs- und Abstiegshilfe für Fische und andere Kleinstlebewesen. Dabei wurde die Krone der Schwelle auf einer Breite von zwei

Metern herausgebrochen, um die Durchgängigkeit zu unterstützen. Zusätzlich hat man am Rand des Gewässers tiefe Becken gestaltet, wo die Fische, während sie flussaufwärts ziehen, sich ausruhen können. „Dem Baggerfahrer gilt deshalb ein großes Lob“, sagt Günter Richter, seines Zeichens Vorsitzender des Wendlinger Fischervereins. Der Baggerfahrer hat die tonnenschweren Quader an die dafür vorgesehenen Stellen platziert. Insgesamt 1500 Tonnen Natursteine werden mit dieser Maßnahme verbaut.

Bevor die Renaturierungsmaßnahme vor circa zwei Wochen begann, hatte der Fischerverein Wendlingen vorsorglich diesen

 

Abschnitt abgefischt. Dabei konnten rund 60
Fische, vor allem Bachforellen, an einer anderen Stelle der Lauter wieder eingesetzt werden. Übrigens ist die Bachforelle 2013 zum Fisch des Jahres gekürt worden.

Günter Richter hat auch lobende Worte für die beteiligten Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Stuttgart: Heinrich Greiner, Flussmeister für landeseigene Gewässer, Hubert Wnuck, Fischereisachverständiger, Sachgebietsleiter Richard Zweig und Barbara Griebel vom Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz im Landratsamt Esslingen. „Die Zusammenarbeit und Umsetzung ist hervorragend gelaufen“, betonte Richter angesichts des fast fertigen Ergebnisses. Ob die Maßnahme in ihrer Standsicherheit gelungen ist, das wird das nächste Hochwasser jedoch zeigen. Doch die Fischer sind zuversichtlich, dass die Aktion gelungen ist.

Trotzdem gibt es einen Wermutstropfen: nicht ganz glücklich sind die Fischer über die Reihenfolge der Vorgehensweise. Renaturierungsmaßnahmen sind wasserwirtschaftlich interessant, wenn sie von der Mündung flussaufwärts vorangetrieben werden, weiß Günter Richter. Das hätte allerdings bedeutet, dass zuerst das große Wehr beim Sportplatz hätte aufgearbeitet werden müssen.

Unterhalb des Tosbeckens und vor dem früheren Wehr werden in dieser Woche noch Buhnen eingebaut, in diesem Fall Lenk- und Störsteine, die den Zweck haben, die Strömung vom Ufer fernzuhalten, erläutert Gewässerwart Thomas Riesbeck vom Fischerverein. In diesen dadurch entstehenden beruhigten Nischen erhalten die Fische und andere Lebewesen weitere Lebensräume. Speziell an dieser Aktion beteiligt sich der Fischerverein mit einem Betrag von 3000 Euro.

Bis in circa zwei Wochen, so schätzen die Verantwortlichen, wenn die Böschung wieder hergerichtet ist, wird alles abgeschlossen sein. Rund 120 000 Euro hat dann die Renaturierungsmaßnahme für Planung und Bau insgesamt gekostet.