Wendlinger Zeitung 9.4.2010 

Erste aufwärtsziehende Fische gesichtet

 

Erfolgreicher Rückbau einer Sohlschwelle zur Rauen Rampe in der Lauter – Übergabe nach Fertigstellung

Vom erfolgreichen Rückbau einer Sohlschwelle zu einer sogenannten Rauen Rampe konnten sich kürzlich die beteiligten Behörden überzeugen: Bei der offiziellen Übergabe der Flussrampe wurden zahlreiche Nasen gesichtet, wie sie vom Neckar in die Lauter aufwärtsschwammen. Hintergrund dieser Aktion ist, die Durchgängigkeit der Lauter wieder herzustellen.

VON GABY KIEDAISCH

 

WENDLINGEN. Der Fischerverein Wendlingen begrüßte diese Maßnahme, die vor Jahren schrittweise im Stadtgebiet begonnen wurde und noch nicht ganz abgeschlossen ist. Auftraggeber und Kostenträger ist das Regierungspräsidium Stuttgart.

Für Jubel unter den Fischern sorgt die Tatsache, dass schon kurz nach dem Umbau Fische in großer Anzahl, vorwiegend Nasen, die Lauter aufwärts wandern. Dies konnte auch bei der offiziellen Übergabe der Rauen Rampe beobachtet werden.

Neben dem Bau der Rampe wurden auch sogenannte Störsteine im Flussbett versenkt. Diese verlangsamen den Lauf des Flusses, was den Fischen die Möglichkeit gibt, sie als Unterstände und Ruheplätze zu nutzen.

„Mit den Rück- und Umbauten soll die Durchgängigkeit der Lauter verbessert werden“, erklärte Richard Zweig, Referent für ökologische Maßnahmen und Hochwasserschutz beim Regierungspräsidium Stuttgart. Dadurch erhalten die Fische ihren natürlichen Lebensraum zurück, nachdem ihnen dieser mit dem Bau von Wehren und Sohlschwellen früher eingeschränkt wurde. Viele Fischarten aus dem Neckar können jetzt wieder ihren Laich in der kleineren Lauter ablegen. Günter Richter, Vorsitzender des Wendlinger Fischervereins, hofft, dass bald auch wieder die Mühlkoppe, Elritze, Barbe, Bachforelle oder Hasel zu sehen sein werden. Auch für Kleinstlebewesen ist das neu gestaltete Refugium ein wichtiger Lebensraum.

 

Mit der gerade fertiggestellten Rauen Rampe in der Nähe des Hechtkopfs sind die Gegebenheiten für die Fische wieder so hergestellt, dass sie bis zum Lauterwehr am alten Sportplatz schwimmen können. Dort wird ihnen jedoch der Weiterzug durch das mehrere Meter hohe Wehr im wahrsten Sinne des Wortes verwehrt. Auch hier ist deshalb ein Umbau geplant. Allerdings scheint noch die Frage offen, ob das Wehr für ein kleines Wasserkraftwerk für das geplante Neubaugebiet Lauter-Park umgebaut werden soll. Günter Richter favorisiert den Umbau des Wehrs ebenfalls, allerdings mit einer Rauen Rampe – der Fische wegen.

50000 Euro hat die Verwirklichung der rund 40 Meter langen Rampe gekostet. Drei Wochen lang war mit der Bauausführung eine Firma beschäftigt. An den Störsteinen hat sich der Fischerverein Wendlingen mit 3000 Euro beteiligt, mit weiteren 3000 Euro haben die Fischer das Projekt bereits an anderen Stellen der Lauter unterstützt. Bisher gibt es vier Raue Rampen im Wendlinger Stadtgebiet.

Um die Durchgängigkeit der Lauter zu vervollständigen, steht außerdem ein weiterer Umbau des Wehrs in Bodelshofen an. Nach der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie muss die Durchgängigkeit des Gewässers bis 2015 gewährleistet sein.

Während von den Naturschützern und Fischern in den 1970er bis 1990er Jahren die Emissionen angegangen worden waren und für die Verbesserung der Wasserqualität Sturm gelaufen wurde, steht die Verbesserung der Gewässerstruktur heute auf dem Plan, wozu der Rückbau von Wehren gehört sowie der Hochwasserschutz.

Die umgebaute Raue Rampe befindet sich ganz in der Nähe des Hechtkopfs, wo die Lauter in den Neckar fließt: Zufrieden mit dem Umbau sind die beteiligten Behörden, das Regierungspräsidium mit Richard Zweig (Dritter von links), Barbara Griebel (Mitte) vom Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz im Landratsamt Esslingen als genehmigende Behörde, Ulrich Scholder (rechts) vom Bau

amt der Stadt Wendlingen sowie der Planer, der Landschaftsarchitekt Rolf Weik (Zweiter von rechts verdeckt), Günter Richter (Zweiter von rechts), Vorsitzender des Fischervereins, und Gewässerwart Thomas Riesbeck (links).gki